Posaunen machen den Weg frei

Wie einst die Mauern von Jericho durch den Klang der Posaunen fielen, so wurde der Weg zur Freude im Gottesdienst durch das Bezirksbläserensemble geebnet.

Die Gemeinde war im Vorfeld darüber informiert worden, dass das Ensemble bereits vor dem Gottesdienst mit dem Vortrag beginnen würde. Deshalb waren die meisten Plätze auch sehr zeitig besetzt. Es erklangen drei harmonische Musikstücke aus dem neuen Chorbuch: „Wie Maria lass mich lauschen“ (Nr.128), „Ich glaube an den Vater“ (Nr.181), „Still und demutsvoll“ (Nr.124).

Nach dem Verlesen des Bibelwortes Lukas 10, 20

„Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel angeschrieben sind.“

spielte das Orchester das Lied 391 „Ich sing mein Lied“. Da dies mit Melodie und Text nur einem kleinen Teil der Gemeinde bekannt war, gab der Dienstleiter, Bezirksevangelist Dirk Backhaus, eine kurze Erläuterung dazu. Er sagte, dies wäre das Werk eines Berliner Komponisten und darin hieße es, ich singe mein Lied in Kummer, in Freude und allen Lebenssituationen. Er richtete an die Gemeinde die Frage, welches Lied jeder Einzelne heute wohl gesungen habe. War es ein Lied der Freude, der Dankbarkeit, oder war es ein Lied des Jammerns?

Vor dem Hintergrund der beeindruckenden musikalischen Umrahmung des Gottesdienstes drängte sich der Vergleich mit den Posaunen von Jericho auf. Die Israeliten gingen auf Anweisung Gottes an sechs Tagen schweigend um die Stadt herum. Dies mag die auf den Mauern stehenden und dies Verhalten beobachtenden Stadtbewohner sehr irritiert haben. Dann aber am siebenten Tag bliesen die Priester die Posaunen und die Mauern fielen. So beobachtet uns auch mancher, wenn wir jeden Sonntag und jeden Mittwoch in die Kirche gehen und kann dies u.U.. nicht einordnen. Ist Christsein heute denn noch relevant? Aber es wird der Tag kommen, an dem sich die Verheißung des Wiederkommens Christi erfüllt und die Mauern im übertragenen Sinne fallen.

„Freuet euch, dass eure Namen im Himmel angeschrieben sind“, dies ist eine Freude, die alles überstrahlt. Dabei steht sie keineswegs in Widerspruch mit dem Erleben von Traurigkeit und Sorgen. Gott hat uns geliebt, eh er die Welt erschuf und er gab uns seinen Sohn als Geschenk. Dies geht aus dem Ausspruch Christi hervor: „Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, bei mir sind damit sie meine Herrlichkeit schauen.“

Die im Verlauf des Gottesdienstes durch das Orchester vorgetragenen Stücke verstärkten die Aussage der Predigt. Feierlich und getragen erklang vor der Feier des Heiligen Abendmahls das Bußlied „Tretet hin zum Tisch des Herrn“ (CB 300).

Wie bereits durch die in der Predigt erweckten Gedanken, wurde durch die Auswahl der Musikstücke bei den Zuhörern eine breite „Gefühlspalette“ angesprochen. Daneben hatten sich die Musiker aber noch eine weitere Aufgabe gestellt. Der Leiter des Ensembles, Olaf Klostermann, erläuterte: „Wir wollen einige bekannte aber auch unbekannte Lieder aus dem neuen Chorbuch vorstellen. Insbesondere nach dem Gottesdienst sind das Lieder mit eher ungewohnten Harmonien, die aber m.E. sehr gut für Bläserensemble geeignet sind und auch in unserer Besetzung gut klingen.“

Dies waren die Lieder „Herz und Mund und Tat und Leben“ (Nr.385), „Wir sind mitten im Leben zum Sterben bestimmt" (Nr.461), „Was ihr getan habt einem“ (Nr.346), „Herr, lass uns von dir lernen“ (Nr.330), „Einer muss wachen“ (Nr.169).

Text und Foto: M.R.