Augenblicke der Stille

Das hatte es so in unserer Gemeinde noch nicht gegeben: eine Woche vor dem Gottesdienst für die Entschlafenen wurde Gelegenheit zu einer etwas "anderen" Vorbereitung geboten.

Ungewohnt war gleich der Beginn der Veranstaltung am Samstagnachmittag, 22. Februar 2012, denn die Kirchentür war nicht wie üblich schon vorher geöffnet, sondern wurde erst um 16:00 Uhr aufgeschlossen. Obwohl gleich mehrere Geschwister gemeinsam in die Kirche eintraten, war angenehme Ruhe und Stille zu spüren, jeder begrüßte den anderen mit leiser Stimme oder einer Umarmung und schaute erst einmal interessiert in den Flur: An einer Pinnwand war kurz erläutert, was an diesem Nachmittag zu erwarten war. Auf einem Tisch dahinter war eine weiße Brücke zu sehen. Darunter lagen ein schwarzes und ein weißes Tuch, die durch „Wasser“ (=blauer Sand) voneinander getrennt waren. Auf dem schwarzen Tuch lagen weiße Steine mit verschiedenen Aufschriften wie z.B. Freunde, Großeltern, Eltern, Kinder, Nachbar, Geschwister… Ein Sinnbild!

Im Mehrzweckraum lief eine Powerpointpräsentation, die wohl bei allen Betrachtern viele Eindrücke hinterließ. Dort wurde an Menschen erinnert, die bei verschiedensten Katastrophen, durch eigene Hand, bei Rettungseinsätzen usw. ums Leben kamen. Die Aufzählung war sicherlich nicht vollständig, aber die Vielzahl der Bilder und Zahlen bot wichtige Eindrücke, wo überall betende Hände gefordert waren.

Der Vorraum stand unter dem Motto: „An wen denkst Du?“ Auf einem Stehtisch lagen in einer Schale neben einer weißen Orchidee viele kleine unterschiedliche Steine. Diese sollten als Erinnerungssteine für die kommenden Tage gelten, damit nicht durch die Geschehnisse des Alltags der Gedanke an unerlöste Seelen verdrängt würde. Auf einem weiteren Tisch lag ein Buch, in welches alle Gedanken eingetragen werden sollten: „An wen denkst du?“ - „An wen wurdest du in besonderer Weise erinnert?“ „Geschmückt“ war der Vorraum von drei selbst erstellten Bildern der Kinder, die bereits im Vorfeld ihre Gedanken über die unerlösten Seelen aufgeschrieben hatten.

Gegen 16.45 Uhr versammelten sich die Teilnehmer im Kirchenschiff. Hier wurde zunächst eine große Kerze vor dem Altar angezündet. Anschließend folgten eine Bibellesung und ein Instrumentalstück „Orgel & Querflöte“. Mit den Gedanken an das verklungene Lied „Treff ich dich wohl bei der Quelle“ wurde nun das Kirchenschiff für die nächsten gut 40 Minuten zu einem Ort der vollkommenen Stille, der besonderen Augenblicke der Stille für jeden: Der eine mag an die Bilder der Powerpointpräsentation gedacht haben, ein anderer war im Gebet versunken!

Mit einem Gebet beendete der Vorsteher, Bezirksevangelist Backhaus, diese andächtigen Momente. Doch die besonderen Augenblicke waren damit keineswegs vorbei: Am nächsten Tag bereitete der Vorsteher in seiner Predigt den Gottesdienst für Entschlafene vor. Ihn hatten die Gedanken des Vortages so sehr bewegt, dass er darauf sehr intensiv einging. Auch wurden nach dem Gottesdienst noch viele schöne Einträge in dem Buch verfasst und einige „Erinnerungssteine“ wechselten den Besitzer…

Text und Foto: B.K.